DHBW-Studie: Gehirn fällt leicht auf Fake-Shops herein
Das häufigste Delikt beim Cybercrime ist der Betrug beim Online-Shopping. Denn das Gefühl lässt die Vernunft außer Acht.
Das Prinzip ist bekannt und wirksam: Besonders günstige Angebote, ergänzt um den Hinweis „nur heute“ oder „nur noch zwei Stück auf Lager“ verlocken den Online-Shopper zum Klicken. Die Tücke daran sind betrügerische Shops, die so allein in Deutschland rund 100 Millionen Euro pro Jahr kassieren ohne tatsächlich etwas zu verkaufen. Oder man erhält minderwertige Massenware und bleibt auf teuren Rücksendungen sitzen. Rund ein Viertel der Online-Käufer ist hierzulande Opfer dieser Betrugsmasche geworden.
Fake-Shops wirken heute oft nicht mehr billig, sondern sind auch Dank Künstlicher Intelligenz (KI) berührend, lokal und vertrauenswürdig, erklärt die DHBW Karlsruhe. Genau das macht sie so verlockend. Häufig werben Anbieter mit erfundenen Geschichten, angeblich regionaler Herkunft oder handwerklicher Qualität. „Viele Fake-Shops verkaufen nicht zuerst ein Produkt, sondern eine emotionale Vertrauenskulisse“, sagt Neuromarketing-Experte Jan Michael Rasimus. „Das Gehirn bekommt eine stimmige Geschichte, passende Bilder und eindeutige Signale. Dadurch entsteht sehr schnell das Gefühl: Das sieht seriös aus, das fühlt sich gut an, hier kann ich bedenkenlos kaufen.“
Aus Sicht der Wahrnehmungspsychologie ist besonders problematisch, dass Menschen Webseiten nicht vollständig lesen, sondern selektiv scannen. Das hat Rasimus durch Eye Tracking (Blickverlaufsanalysen) leicht nachgewiesen. „Der gefährlichste Moment ist nicht der Klick selbst“, sagt Rasimus. „Es ist der Moment davor, wenn Begeisterung, Mitleid, Zeitdruck und ein gutes Gefühl die kritische Prüfung überholen.“
Schutz bieten einfache Faustregeln: Nicht direkt aus einer Social-Media-Anzeige kaufen, sondern den Shop separat suchen. Hilfreich sind Suchanfragen mit dem Shopnamen und Begriffen wie „Erfahrung“, „Fake“, oder „Retoure“. „Digitale Kompetenz bedeutet auch, den eigenen ersten Eindruck nicht sofort für ein Urteil zu halten“, sagt Rasimus. „Oft ist genau diese kurze Pause der beste Schutz vor Fake-Shops.“