Digitalisierung 2.0 nicht per se klimafreundlich
Es ist nicht alles Gold, was glänzt und es ist auch nicht alles grün, was digital ist. Wie immer steckt die Tücke im Detail.
Lieber digital als Print? Das vorschnelle „Ja“ lässt in der Regel den Energiehunger aus, den digitale Kommunikation benötigt. Das bezieht sich im Wesentlichen auf übervolle Mail-Postfächer und wachsende Online-Archive. Das wirkt sich der sogenannte Rebound-Effekt aus. Damit ist eine Verhaltensänderung gemeint, die nach einer Einsparung etwa den CO2-Effekt konterkariert. Konkret: Weil wir statt Papier lieber Mails, Vorträge und andere Dokumente horten, wird der geringere CO2-Fußabdruck nicht geringer, sondern größer.
Die Transformation zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft und Gesellschaft basiert auf dem Wechsel von fossilen Energieträgern hin zum Ökostrom. Prognosen gehen davon aus, dass E-Autos, Wärmepumpen oder auch klimaneutrale Stahlwerke die Stromnachfrage bis 2050 weltweit um 80 bis 150 Prozent nach oben treiben. Eine Google-Suche mit Künstlicher Intelligenz (KI) im Hintergrund verbraucht schätzungsweise zehn Mal mehr Strom. Für den KI-Boom entstehen immer mehr Rechenzentren. Das könnte den Strombedarf allein für dieses Segment innerhalb von fünf Jahren auf weltweit 143 Terrawattstunden mehr als verdreifachen.
In diesem Kontext hat das Umweltbundesamt auch die zweite Bitkom-Studie „Klimaeffekte der Digitalisierung 2.0“ kritisiert. Die Studie prognostiziert einen Beitrag von bis zu 26 Prozent zum Emissionsreduktionsziel durch fortschreitende Digitalisierung. „Wir kommen zur Einschätzung, dass auch die 2.0-Studie keine valide Grundlage für eine Abschätzung des Klimabeitrages der Digitalisierung darstellt“, hält das Umweltbundesamt dagegen. Unter anderem falle die Berechnung zum CO2-Fußabdruck der digitalen Infrastrukturen ausgesprochen niedrig aus.