III. BVDM fordert Erhalt der gedruckten Packungsbeilage
Die gedruckte Packungsbeilage für Arzneimittel sollte auch künftig verpflichtend beibehalten werden, findet der Bundesverband Druck und Medien.
Wie wird die EU-Human-Arzneimittel-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt werden? Der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) lehnt ein rein digitales Angebot ab. Er spricht sich lieber für ein komplementäres Modell aus. Das deutsche Umsetzungsgesetz sollte sowohl gedruckte Packungsbeilagen als auch elektronische Arzneimittel-Informationen für den Regelfall vorschreiben.
„Digitalisierung und Patientensicherheit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, erklärt Kirsten Hommelhoff, Chefin des BVDM. Sie hat dabei allerdings nicht nur die spezialisierten Druckereien im Blick, die Beipackzettel für Medikamente produzieren. Zusätzlich verweist sie unter anderem auf den Länderbericht Deutschland zum Stand der Digitalen Dekade 2025. Demnach liegen die grundlegenden digitalen Kompetenzen der Bevölkerung im Alter von 16 bis 74 Jahren unter dem EU-Durchschnitt. Die Bevölkerungsgruppe der über 74-Jährigen, die überproportional stärker auf Arzneimittel angewiesen ist, wird in diesen Statistiken nicht einmal erfasst. Hier sichert gerade bei Strom- oder Internetausfällen die gedruckte Packungsbeilage den Zugang zu im Einzelfall lebenswichtigen Warnhinweisen und Dosierungsangaben.
Die Human-Arzneimittel-Richtlinie sieht zwar das Recht des Patienten vor, beim Kauf des Medikaments eine gedruckte Arzneimittelinformation als Print-on-Demand zu verlangen. Das würde aber Apotheken vor neue Herausforderungen stellen. Laut der europäischen Beratung Eurovértice würden die Gesamtkosten von Print-on-Demand in Apotheken die Kosten der industriell gedruckten Packungsbeilage um ein Vielfaches übersteigen. Hinzu kommen ungeklärte Fragen zu Haftung, Qualitätssicherung und Personalkapazität in Apotheken, dort wo Print-on-Demand wahrscheinlich umgesetzt würde.
Aus ökologischer Sicht ist es prinzipiell richtig, auf nicht benötigtes Papier zu verzichten. Digitale Dateien sind aber bezogen auf den CO₂-Fußabdruck nicht immer die bessere Alternative. Denn die Daten sind zwar immer irgendwie da, aber Datenerstellung, Hosting, Abrufen und Speichern sind immer auch große Stromfresser. Das illustrieren die Stromengpässe in den USA, die immer mal wieder durch den Boom der Rechenzentren für KI ausgelöst werden.